Tutorium 2: The Customer Interview

Business Basics

Worum es geht

Im zweiten Tutorium übt ihr das Schwierigste aus Vorlesung 2: nach dem Job fragen, nicht nach der Lösung. In Paaren interviewt ihr euch gegenseitig zu einem Produkt, das ihr alle kennt: der Mensa-App. Dabei versucht ihr, echte Outcomes (angestrebte Ergebnisse) herauszuhören, statt euch fertige Features vorschlagen zu lassen. Nach etwa der Hälfte tauscht ihr die Rollen. Am Ende zieht ihr Bilanz: Welche Outcomes habt ihr erfasst, und wo habt ihr aus Versehen doch nur eine Lösung notiert?

Genau diese Unterscheidung (Outcome statt Lösung, mit Begründung) taucht in der Klausur wieder auf. Es geht nicht darum, ein Schlagwort zu treffen, sondern ein angestrebtes Ergebnis sauber zu formulieren.

Das Tutorium ist freiwillig. Wer nicht kommen kann, findet unten alle Aufgaben zum Selbermachen: die Interview-Materialien sind als PDF verlinkt, und die Nachbereitungs-Aufgaben A und B lassen sich vollständig allein bearbeiten.

TippWas ihr mitnehmt
  • Ihr führt ein kurzes Outcome-Interview nach den fünf Grundsätzen von Ulwick.
  • Ihr unterscheidet ein Outcome (angestrebtes Ergebnis) von einer Lösung (Feature).
  • Ihr formuliert Outcomes messbar („die Zeit verringern, um …“, „die Wahrscheinlichkeit senken, dass …”) und priorisiert sie mit der Opportunity-Formel.

Ablauf (90 Minuten)

Zeit Phase Was passiert
0:00 Ankommen Begrüßung, Paare bilden
0:05 Klausur-Training 5 KLAUS-Fragen zu Vorlesung 2, per Handzeichen aufgelöst
0:20 Kernaktivität Outcome-Interviews in Paaren, mit Rollentausch
1:10 Debrief Outcomes vergleichen: Ergebnis oder doch Lösung?
1:25 Wrap-up „So taucht das in der Klausur auf” + Nachbereitung + Quiz

Die Kernaktivität: Outcome-Interviews in Paaren

Ihr arbeitet zu zweit. Eine Person ist zuerst Interviewer:in, die andere wird befragt: zu ihrem ganz normalen Umgang mit der Mensa-App (Speiseplan checken, Guthaben, Warteschlange, Allergene, Verabreden zum Essen).

  • Interviewer:in folgt der Interview-Leitfaden-Karte: nach dem Job fragen, Ergebnisse erfassen – keine Lösungen vorschlagen. Nutzt die Fragestarter („Wann hast du zuletzt …?“, „Was wolltest du an dem Punkt erreichen?”, „Warum war das wichtig?“).
  • Befragte:r erzählt von konkreten letzten Malen, nicht von Wunschfeatures.
  • Notiert die angestrebten Ergebnisse auf dem Outcome-Capture-Sheet und schätzt je Wichtigkeit und Zufriedenheit (1–10).

Nach etwa 15 Minuten: Rollentausch. Danach vergleicht ihr im Plenum: Welche Outcomes (nicht Lösungen) habt ihr erfasst?

HinweisIhr kennt die Mensa-App nicht?

Kein Problem, nehmt stattdessen die Stundenplan-App eurer Uni als gemeinsames Produkt. Die Fragen und das Vorgehen bleiben identisch.

Materialien zum Download

Diese Unterlagen bekommt ihr im Tutorium ausgedruckt. Zum Nacharbeiten hier als PDF:

Jede Seite hat oben rechts einen PDF-Link – darüber ladet ihr die Druckfassung.

Zur Erinnerung: die fünf Grundsätze (Ulwick)

Kurz-Glossar für das Interview (ausführlich in Vorlesung 2 und auf der Leitfaden-Karte):

# Grundsatz Für das Interview heißt das
1 Menschen kaufen Produkte, um einen Job zu erledigen Frag nach dem Job, nicht nach dem Produkt
2 Sie bewerten den Job an messbaren Outcomes Achte auf „schneller / sicherer / weniger Aufwand”
3 Outcomes sind ein stabiles Ziel Jobs ändern sich kaum, Features schon
4 Outcomes machen Chancen sichtbar Wichtigkeit hoch, Zufriedenheit niedrig = Chance
5 Das macht Innovation planbar Erst verstehen und messen, dann bauen

Die Opportunity-Formel dazu (zum Selbstrechnen auf dem Capture-Sheet):

\[\text{Opportunity} = \text{Wichtigkeit} + \max(0,\ \text{Wichtigkeit} - \text{Zufriedenheit})\]

Nach dem Tutorium

Aufgabe A: JTBD-Analyse eines Fahrrad-Abos

Analysiert allein ein Produkt, das viele Studierende kennen: ein Fahrrad-Abo, also ein Leihrad im Monatsabo, bei dem Reparatur und Diebstahlschutz inklusive sind (im Stil von Swapfiets). Ihr müsst kein Kunde sein; das Prinzip zu kennen reicht.

Eure Aufgabe: Formuliert mindestens zwei verschiedene Jobs, für die Nutzende dieses Produkt „einstellen”: davon einen funktionalen und einen emotionalen oder sozialen. Formuliert jeden Job outcome-orientiert, nicht lösungs-orientiert: also als angestrebtes Ergebnis („den Aufwand verringern, jederzeit ein fahrbereites Rad zu haben”), nicht als Feature („eine App mit GPS-Tracking”).

TippWoran ihr euch selbst prüft

Ein Outcome beschreibt eine Veränderung, die sich Nutzende wünschen (verringern, erhöhen, sicherer machen), und lässt offen, wie man sie erreicht. Sobald in eurer Formulierung ein konkretes Feature oder eine App-Funktion steht, habt ihr eine Lösung notiert, kein Outcome. Fragt euch dann: „Wozu hätte mir das verholfen?“

TippKI-Feedback

Öffnet den Chat in der Seitenleiste und startet mit genau dem Wortlaut „Feedback zu Tutorium 2”. Fügt dann eure JTBD-Analyse ein. Ihr bekommt sokratische Rückfragen, die eure Argumentation schärfen (insbesondere, ob ihr Outcomes oder heimlich doch Lösungen formuliert habt), aber keine Musterlösung. Das Feedback ersetzt nicht das Tutorium und nicht eure eigene Arbeit; es hilft euch, selbst weiterzudenken.

Aufgabe B: Selbsttest

Prüft euer Verständnis von Vorlesung 2 im begleitenden Quiz – rein formativ, nichts wird gespeichert oder benotet: