Cheatsheet 03 - Design Thinking & User-Centered Innovation
Business Basics
Der Design-Thinking-Prozess
Menschzentrierter Weg, Probleme zu lösen – stellt das Erleben der Nutzenden in den Mittelpunkt. Iterativ, nicht linear (Schleife wie Build–Measure–Learn aus S1). „Design Thinking“ ist ein Bündel von Praktiken, kein festes Rezept (Micheli et al. 2019).
| Phase | Leitfrage |
|---|---|
| Empathize | Was erleben die Nutzenden wirklich? (beobachten statt raten) |
| Define | Welches Problem lösen wir genau? |
| Ideate | Welche Lösungen sind denkbar? |
| Prototype | Wie sieht eine erste, grobe Version aus? |
| Test | Was sagen echte Nutzende dazu? → zurück zu einer früheren Phase |
Lo-Fi-Prototyp: Papierskizze/Klick-Attrappe – prüft eine Annahme billig, muss nicht funktionieren. Test cheap before you build (Dahan & Hauser 2002, Brücke S2). Team-Variante: Design Sprint (Tutorium).
Design als strategische Wahl
- Rams (kanonisch bei Vitsœ): „Weniger, aber besser“ – „gutes Design ist so wenig Design wie möglich“. Design reduziert; strategische Haltung, keine Geschmacksfrage.
- N26: mobile-first Design = Türöffner in einen Markt etablierter Banken (firmenberichtet: >8 Mio. Kundschaft). Zweiter Akt: Gründerabgang 2025 (BaFin-Druck), externer CEO ab Apr 2026 → Design bringt dich rein, Governance hält dich drin (Key-Person-Risiko).
- Ökosystem-Governance (Apple/Android): offen vs. geschlossen ist eine strategische Weichenstellung – Kontrolle/Qualität vs. Reichweite/Freiheit. Folgen für Entwickelnde und Nutzende. Kehrt bei KI-Modellen wieder (offene Gewichte vs. proprietär). Vertiefung: Session 6.
Innovationstypen
| Typ | Was ändert sich? | Beispiel |
|---|---|---|
| inkrementell | schrittweise Verbesserung | bessere Kamera im Nachfolger |
| radikal | technologischer Sprung | erstes Touchscreen-Smartphone |
| disruptiv | verändert den Markt von unten | einfacher, billiger Anbieter verdrängt den Etablierten |
Innovator’s Dilemma + Hedge
In 2 Sätzen (Christensen): Etablierte verbessern ihr Produkt nach oben für ihre besten Kunden und übersehen einen Angreifer, der unten einsteigt – einfacher, billiger, anfangs schlechter. Der Angreifer arbeitet sich hoch und verdrängt den Etablierten, bevor dieser reagiert.
Hedge (King & Baatartogtokh 2015): Von Christensens eigenen 77 Fällen erfüllen die wenigsten alle Kriterien sauber → Disruption ist ein „sensitizing concept“ (nützliche Linse), kein Naturgesetz. Nicht jede große Neuerung ist „disruptiv“.
- Kodak: erfand 1975 selbst die Digitalkamera, Insolvenz 2012 – Geschäftsmodell-, kein Technikversagen (Fußnote: Aug 2025 erneute Fortführungs-Warnung, kein stabiles Ende).
- Nokia: ~40–50 % Marktanteil auf dem Höhepunkt (je nach Metrik), <5 % Smartphone-Anteil 2013 – Marktführerschaft schützt nicht vor einem UX-getriebenen Plattformwechsel.
Greift den Marktführer nicht frontal an – fangt dort an, wo er nicht hinschauen will: bei Problemen, die ihm zu klein sind.