
Session 04 - Business Models, Value & Money
Business Basics
Ein Unternehmen ohne eigene Busse
FlixBus dominiert den deutschen Fernbusmarkt – die grünen Busse habt ihr alle schon gesehen.
Wem gehören die grünen Busse? Handzeichen: „FlixBus“ vs. „jemand anderem“!
Auflösung: Die Busse gehören FlixBus gar nicht. Wie kann ein Unternehmen einen ganzen Markt beherrschen, ohne die eigentliche Leistung selbst zu erbringen? Das ist die Leitfrage heute: Wie wird aus einer Idee ein tragfähiges Geschäft – und wer bezahlt dafür?
Rückblick
Wo wir letzte Woche standen
- Design ist nicht Dekor, sondern eine strategische Wahl: „weniger, aber besser“ (Rams); offen vs. geschlossen ist eine Weichenstellung, keine Geschmacksfrage
- Innovation gibt es in drei Stärken: inkrementell, radikal, disruptiv – und „disruptiv“ ist ein enges Muster, kein Synonym für „groß“
- Das Innovator’s Dilemma (Christensen): Etablierte werden von unten angegriffen, aber die Theorie ist eine Linse, kein Naturgesetz
Ein Stolperstein aus Sitzung 3: Eine gute Idee und ein gutes Design ergeben noch kein Geschäft. Offen blieb die Frage, wie daraus Geld wird.
Deine Frage: Was fehlt zur Idee?
Ihr habt eine durchdachte, gut gestaltete Idee, getestet, mit echtem Kundennutzen. Was braucht es jetzt noch, damit daraus ein Unternehmen wird, das sich trägt?
Ein Modell, das erklärt, wie das Angebot Geld verdient: Wer zahlt, wofür, wie viel – und bleibt am Ende mehr übrig, als es kostet? Genau das bauen wir heute.
Ablauf heute
- Teil 1 (~35 min): Business Model Canvas: das Muster hinter FlixBus
- Teil 2 (~25 min): Erlöse & Kosten: womit verdient man Geld, was kostet es?
- Teil 3 (~15 min): Finanzierung & Runway: wie lange reicht das Geld?
- Teil 4 (~15 min): Rechtsformen & Steuern im Überblick: die Gründerperspektive
Leitfrage heute: Wie wird aus einer Idee ein tragfähiges Geschäft – und wer bezahlt dafür?
Lernziele
Nach dieser Sitzung könnt ihr …
- die neun Bausteine des Business Model Canvas benennen und an einem Fall anwenden,
- ein Geschäftsmodell von einer Strategie unterscheiden,
- gängige Erlösmodelle und die Intuition von fixen vs. variablen Kosten und Break-even erklären,
- Runway berechnen und Bootstrapping von VC-Finanzierung abgrenzen,
- die wichtigsten Rechtsformen über die Haftungsfrage einordnen (Orientierung).
Business Model Canvas
FlixBus: der Markt gehört dem, der ihn organisiert
- Gegründet 2011 in München (Engert, Schwämmlein, Krauss), in Erwartung der Marktöffnung
- Erste drei Linien Februar 2013, direkt nach der PBefG-Liberalisierung (in Kraft seit 1. Januar 2013), die den Fernbusmarkt für neue Anbieter öffnete
- Zahl der deutschen Fernbuslinien stieg von 86 auf 200 bis Ende 2018 (+133 %)
FlixBus besitzt keine Busse. Es betreibt die Buchungs-, Netz- und Preisplattform. Die Busse gehören über 1.000 Partnerbetrieben.
Lektion: Der Wert liegt nicht im Fahrzeug, sondern im Netzwerk und der Plattform: FlixBus verkauft Tickets und bezahlt die Partner für die Fahrt.
Quelle: (Liberalisierung des Fernbuslinienverkehrs, o. J.; Flix SE 2026).
Was FlixBus zusammenhält
Ein Geschäftsmodell ist die Logik, wie ein Unternehmen Wert schafft, liefert und abschöpft (Teece 2010). Bei FlixBus sieht das so aus:
- Schaffen: ein dichtes Liniennetz zu günstigen Preisen, buchbar in einer App
- Liefern: über unabhängige Partnerbetriebe, die Busse und Fahrpersonal stellen
- Abschöpfen: FlixBus behält eine Provision je Ticket; die Partner tragen die Fahrtkosten
Das ist ein anlagenarmes (asset-light) Plattformmodell: geringe eigene Fixkosten, schnelle Skalierung über Partner statt über eine eigene Flotte.
Das Muster dahinter: das Business Model Canvas
Ein Werkzeug, das jedes Geschäftsmodell in neun Bausteinen sichtbar macht – eine gemeinsame Sprache, um Modelle zu beschreiben und zu vergleichen.
Angebot & Kunde
- Value Proposition – welchen Nutzen?
- Customer Segments – für wen?
- Channels – über welche Kanäle?
- Customer Relationships – welche Bindung?
Infrastruktur & Geld
- Key Partners – mit wem? (FlixBus: Busbetriebe)
- Key Activities – welche Tätigkeiten?
- Key Resources – welche Mittel? (FlixBus: Plattform)
- Revenue Streams & Cost Structure – Einnahmen und Kosten
Datenquelle: Bausteine-Systematik nach Osterwalder & Pigneur (Osterwalder und Pigneur 2010); vollständige Übersicht auf dem Cheatsheet.
Vom Kunden her denken, nicht von der Organisation
Der häufigste Fehler beim Ausfüllen: bei sich selbst anfangen („Was können wir gut?“) statt beim Kunden.
- Organisationszentriert: erst die eigenen Ressourcen, dann suchen, wer das kaufen soll
- Kundenzentriert: erst der Job aus Sitzung 2 (was will die Kundschaft erledigen?), dann das Angebot dazu
- Die beste Reihenfolge beim Ausfüllen: erst Kunde, dann Infrastruktur – mit Customer Segments und Value Proposition beginnen
Lektion: Die neun Bausteine sind nur so gut wie der Kundenjob, auf dem sie aufsetzen.
Ist ein Geschäftsmodell dasselbe wie Strategie?
Eine typische Verwechslung – und eine beliebte Prüfungsfrage.
- Ein Geschäftsmodell beschreibt die Logik, wie ein Unternehmen heute Wert schafft und Geld verdient
- Eine Strategie beantwortet, wie man sich gegen Wettbewerber behauptet und verteidigt (Thema von Sitzung 5)
- Vorsicht: „Business Model“ wird in drei Bedeutungen benutzt: als reale Eigenschaft einer Firma, als Denkmodell und als formale Darstellung; wer sie vermischt, redet aneinander vorbei (Massa u. a. 2017)
Merksatz: Das Modell sagt, wie ihr Geld verdient; die Strategie sagt, warum ausgerechnet ihr das auf Dauer könnt.
Der Napkin-Test: drei Plausibilitätsfragen
Bevor ihr Monate investiert: Ein tragfähiges Geschäft passt auf eine Serviette. Drei Fragen entscheiden:
- Zahlt überhaupt jemand? Gibt es eine echte Zahlungsbereitschaft, nicht nur Interesse?
- Kosten < Preis? Bleibt pro verkaufter Einheit mehr übrig, als sie zusätzlich kostet?
- Genug Kundschaft für die Fixkosten? Reicht die Menge, um die laufenden Fixkosten zu tragen?
Fällt das Modell bei einer der drei Fragen durch, trägt es nicht – egal, wie gut die Idee klingt.
Wiederkehrende Geschäftsmodell-Muster
Man muss das Rad nicht neu erfinden: Erfolgreiche Modelle folgen oft einem bekannten Muster.
| Muster | Kern | Beispiel |
|---|---|---|
| Plattform | zwei Seiten zusammenbringen, Provision | FlixBus |
| Razor-and-Blade | Gerät billig, Nachschub teuer | Drucker & Patronen |
| Freemium | Basis gratis, Zusatz kostet | viele Apps |
| Long Tail | viele Nischenartikel statt weniger Hits | Online-Marktplätze |
| Lock-in | Wechsel wird teuer/mühsam | Ökosysteme |
Datenquelle: Muster-Systematik nach Gassmann et al. (Gassmann u. a. 2017); Plattform-Logik nach Rochet und Tirole (2003).
Deine Frage: Welches Muster steckt drin?
Stellt euch euren WG-Kühlschrank als Geschäft vor: Ihr kauft günstig Getränke ein und verkauft sie mit Aufschlag an die Mitbewohnenden, bezahlt per Strichliste. Welches Muster ist das am ehesten, und besteht es den Napkin-Test?
Es ist am ehesten Verkauf (Marge zwischen Einkauf und Verkauf), kein Plattform-Muster – ihr besitzt die Ware selbst. Napkin-Test: Zahlt jemand? Ja. Kosten < Preis? Nur, wenn der Aufschlag den Schwund (geklaute Cola, vergessene Striche) deckt. Genug Kundschaft? In einer WG kaum – die Fixkosten eines echten Ladens würde das nie tragen.
Zwischenfazit Teil 1
- Ein Geschäftsmodell ist die Logik, wie man Wert schafft, liefert und abschöpft, sichtbar gemacht in neun Bausteinen
- Kundenzentriert ausfüllen: erst der Job, dann das Angebot, nicht umgekehrt
- Muster wie Plattform (FlixBus) und die drei Plausibilitätsfragen helfen, ein Modell schnell zu prüfen
Zwei der drei Fragen drehen sich um Geld: Kosten, Preis, Menge. Das schauen wir uns jetzt genauer an.
Erlöse & Kosten
Womit verdient man Geld? Erlösmodelle
Dasselbe Produkt kann auf ganz verschiedene Weise Geld einbringen – mit Folgen für Bindung und Cashflow.
| Erlösmodell | Prinzip | Implikation |
|---|---|---|
| Verkauf | einmalig, pro Stück | einfacher Cashflow, keine Bindung |
| Abo | wiederkehrend | planbarer Cashflow, hohe Bindung |
| Freemium | Basis gratis, Premium zahlt | breite Reichweite, niedrige Conversion |
| Provision | Anteil je Transaktion | skaliert mit dem Volumen (FlixBus) |
| Werbung | Dritte zahlen für Aufmerksamkeit | „Produkt“ ist die Nutzerschaft |
Auch Lizenzen (Nutzungsrechte gegen Gebühr) gehören dazu. Vollständige Liste auf dem Cheatsheet.
Fixe und variable Kosten – die Intuition
Kosten verhalten sich unterschiedlich, je nachdem, ob man mehr produziert:
- Fixkosten (\(K_f\)) fallen unabhängig von der Menge an: Miete, Software, Stammpersonal
- Variable Kosten (\(k_v\) je Stück) steigen mit jeder Einheit: Material, Verpackung, Versand
- Die Gesamtkosten sind die Summe: \(K(x) = K_f + k_v \cdot x\)
Fixkosten fallen auch dann an, wenn ihr null verkauft. Genau deshalb ist die Menge so entscheidend.
Skaleneffekte – und wo sie fehlen
Wenn die Menge steigt, verteilen sich die Fixkosten auf mehr Einheiten – die Stückkosten sinken. Das ist ein Skaleneffekt.
- Software/Plattform: hohe Fixkosten, fast keine variablen Kosten pro Nutzer → starke Skaleneffekte
- Dienstleistung (Beratung, Friseur): jede Einheit braucht wieder Arbeitszeit → kaum Skaleneffekte
„Wir skalieren einfach“ funktioniert nur, wenn die variablen Kosten pro Einheit klein sind. Bei personengebundener Leistung wächst der Aufwand mit.
Lektion: Ob ein Modell mit der Größe billiger wird, hängt an der Kostenstruktur, nicht am Wunsch.
Break-even: ab wann trägt sich das?
Der Break-even ist die Menge, ab der die Erlöse die Gesamtkosten decken – ab hier beginnt der Gewinn.
Jede verkaufte Einheit bringt \(p - k_v\) mehr ein, als sie zusätzlich kostet. Diese Differenz muss die Fixkosten decken:
\[x^{*} = \frac{K_f}{p - k_v}\]
- Beispiel: Fixkosten 10.000 € im Monat, Preis 9 € je Ticket, variable Kosten 4 € je Ticket
- Pro Ticket bleiben \(9 - 4 = 5\) € übrig, um die Fixkosten zu decken
- Break-even: \(10.000 / 5 = \mathbf{2.000}\) Tickets im Monat
Break-even im Bild
Nur die Intuition – die Systematik kommt später
Wir bleiben hier bewusst bei der Intuition: fix vs. variabel und der Punkt, ab dem sich etwas trägt.
Die vollständige Kosten- und Erlösrechnung (mit sauberer Systematik) lernt ihr in BA-GRUR (Kosten-/Erlösrechnung, Sem. 2). Heute reicht die Gründerfrage: „Ab welcher Menge trägt sich mein Modell?“
Deine Frage: Fix oder variabel?
Ein Café zahlt jeden Monat Miete für den Laden und kauft Kaffeebohnen je nach Andrang ein. Welche Position ist fix, welche variabel, und was passiert mit den Stückkosten der Miete, wenn mehr Gäste kommen?
Die Miete ist fix (fällt unabhängig vom Andrang an), die Bohnen sind variabel (mehr Gäste, mehr Bohnen). Kommen mehr Gäste, verteilt sich die Miete auf mehr Tassen – die Miet-Stückkosten sinken. Das ist der Skaleneffekt in einem Satz.
Finanzierung & Runway
Woher kommt das Startkapital?
Am Anfang kostet ein Geschäft Geld, bevor es welches einbringt. Zwei Grundwege:
Bootstrapping
- aus eigenen Mitteln / ersten Umsätzen
- volle Kontrolle, kein Anteil abgegeben
- aber: langsameres Wachstum
Venture Capital (VC)
- Kapital von Investoren gegen Anteile
- schnelles Wachstum möglich
- aber: Kontrolle und Mitsprache abgeben
Lektion: Der Trade-off heißt Kontrolle vs. Geschwindigkeit – es gibt kein „richtig“, nur eine bewusste Wahl.
Runway: wie lange reicht das Geld?
Solange ein Startup mehr ausgibt, als es einnimmt, „verbrennt“ es Geld. Der Burn ist der monatliche Verlust, der Runway die verbleibende Zeit:
\[\text{Runway} = \frac{\text{Kassenbestand}}{\text{monatlicher Burn}}\]
- Beispiel: 500.000 € in der Kasse, 50.000 € Burn pro Monat → 10 Monate Runway
- Erinnert euch an Gorillas aus Sitzung 1: kapitalintensiv skaliert, bevor je eine Bestellung profitabel war – der Burn war riesig
- Läuft der Runway aus, bevor das Modell trägt oder frisches Geld kommt, ist das Spiel vorbei
Quelle Gorillas-Beispiel: (Dillet 2022; Taylor 2022).
Runway im Bild

Deine Frage: Wie lange noch?
Ein Startup hat 300.000 € in der Kasse und verbrennt 25.000 € pro Monat. Wie viele Monate Runway bleiben, und was sind die zwei Hebel, um den Runway zu verlängern?
\(300.000 / 25.000 = \mathbf{12}\) Monate. Die zwei Hebel: mehr Kasse (Umsatz oder frisches Kapital) oder weniger Burn (Kosten senken). Meist zieht man an beiden und beginnt rechtzeitig, nicht im letzten Monat.
Money-Literacy: warum Zeit Geld verdoppelt
Eine Folie zum Mitnehmen, denn wer gründet, rechnet auch mit Geld über Jahre hinweg.
- Wer 7 % pro Jahr erzielt, verdoppelt sein Geld in rund 10 Jahren: \(1{,}07^{10} \approx 1{,}97\)
- Aus 100 € werden so ohne weiteres Zutun rund 197 € – der Effekt heißt Zinseszins
- Faustregel („72er-Regel“): \(72 / \text{Zinssatz} \approx\) Jahre bis zur Verdopplung (\(72/7 \approx 10\))
Die saubere Theorie dahinter, der Zeitwert des Geldes, kommt in BA-INFIN (Investition & Finanzierung, Sem. 4).
Aktuelle Zahlen: Trade Republic
- Berliner Neobroker; Erlöslogik zwischen Freemium und Lock-in (einmal eingerichtet, bleibt man)
- Dez. 2025: Anteilsverkauf bei 12,5 Mrd. € Bewertung, mehr als doppelt so viel wie 2022
- Meldet über 10 Mio. Nutzende, drei profitable Jahre in Folge und eine volle EZB-Banklizenz
Ein deutsches Fintech, das die Muster Freemium und Lock-in mit belastbaren Zahlen zeigt.
Lektion: Profitabilität und Lizenz machen aus einem schnell wachsenden Startup ein tragfähiges Geschäft.
Quelle: (Chmiel 2025; Kröner und Schwarz 2025).
Aktuelle Zahlen: Vinted
- C2C-Marktplatz für Second-Hand-Mode (gegründet 2008, Vilnius): Plattform + Long Tail, kein eigenes Lager
- Geschäftsjahr 2025: Handelsvolumen 10,8 Mrd. € (+47 %), Umsatz 1,1 Mrd. €, Gewinn 62 Mio. €
- Ein weiterer Anteilsverkauf 2026 bewertet Vinted mit rund 8 Mrd. €
Kein ungetrübtes Erfolgsbild: In Frankreich läuft seit Juni 2026 eine behördliche Untersuchung (Stand Juli 2026, offen).
Lektion: Ein Plattformmodell verdient Geld, ohne das Produkt zu besitzen, aber Vertrauen und Aufsicht bleiben ein Dauerthema.
Quelle: (Vinted 2026; Howells 2026).
Rechtsformen & Steuern im Überblick
Die Rechtsform ist zuerst eine Haftungsfrage
Wer gründet, muss eine Rechtsform wählen. Die zentrale Frage: Wer haftet, wenn es schiefgeht – nur das Unternehmen oder ihr privat?
| Rechtsform | Stammkapital | Haftung |
|---|---|---|
| GbR | keins | persönlich, auch privates Vermögen |
| UG | ab 1 € | beschränkt; Rücklagenpflicht |
| GmbH | 25.000 € | beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen |
| AG | 50.000 € | beschränkt; eher für später/Börse |
Quelle: (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, o. J.).
Steuern, die Gründende treffen
Kein Rechenkurs, sondern eine Landkarte, welche Steuern überhaupt anfallen:
- Umsatzsteuer: auf fast jeden Verkauf; für das Unternehmen ein durchlaufender Posten: man zieht sie beim Kunden ein und reicht sie ans Finanzamt weiter
- Gewerbesteuer: auf den Gewerbeertrag; Höhe hängt von der Gemeinde ab
- Einkommensteuer (bei GbR/Einzelunternehmen) bzw. Körperschaftsteuer (bei UG/GmbH/AG) auf den Gewinn
Die genaue Berechnung ist nicht Stoff dieser Sitzung. Wichtig ist, dass ihr wisst, dass es sie gibt.
Warum ihr das nur hier hört
Das Pflicht-Recht (BA-WIPRE, Sem. 3) behandelt Vertragsrecht, nicht Rechtsformen. Rechtsformen und Steuern seht ihr im Pflichtstudium nur in dieser Sitzung.
Vertiefen könnt ihr sie später freiwillig: Rechtsformen im Wahlmodul BA-FRWB-UR, Steuern im Schwerpunkt BA-WPSTEU (ab Sem. 5). Umso mehr lohnt es sich, die Landkarte heute mitzunehmen.
Deine Frage: GbR oder UG?
Zwei Studierende gründen zusammen ein kleines Startup und sind unsicher, ob sie es als GbR oder als UG aufsetzen. Was ist der entscheidende Unterschied bei der Haftung, und warum ist das gerade bei einem riskanten Vorhaben wichtig?
Bei der GbR haften beide persönlich, auch mit dem Privatvermögen. Bei der UG ist die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt (Gründung schon ab 1 €, dafür Rücklagenpflicht). Bei einem riskanten Vorhaben schützt die UG das private Vermögen, falls das Geschäft scheitert.
Was davon ist klausurrelevant?
- Business Model Canvas: die neun Bausteine benennen und zuordnen; Geschäftsmodell vs. Strategie
- Erlösmodelle (Verkauf, Abo, Freemium, Provision, Werbung) mit ihren Implikationen
- Fix vs. variabel, Skaleneffekte und die Break-even-Rechnung (\(x^{*} = K_f / (p - k_v)\))
- Runway = Kasse / Burn; Bootstrapping vs. VC (Kontrolle vs. Geschwindigkeit)
- Orientierungswissen: Rechtsformen über die Haftung (GbR/UG/GmbH), Umsatzsteuer als durchlaufender Posten
Der Schwerpunkt liegt klar auf dem Geld-Block; Rechtsformen und Steuern sind Orientierung. Vertiefung: Tutorium 04 (Build Your Business Model) und Quiz 04.
Literatur
- Teece (2010) – Geschäftsmodell als Logik von Wertschöpfung, -lieferung und -abschöpfung.
- Massa u. a. (2017) – die drei Bedeutungen von „Business Model“ (und warum man sie trennen muss).
- Foss und Saebi (2017) – Überblick zur Geschäftsmodell-Innovation (Brücke zu den späteren Sitzungen).
Zum Weiterlesen: Osterwalder & Pigneur, Business Model Generation (2010) – das Standardwerk zum Canvas; Gassmann et al., Geschäftsmodelle entwickeln (2017) – 55 Geschäftsmodell-Muster.