Tutorium 7: Capstone Challenge
Business Basics
Worum es geht
Das ist das letzte Tutorium, und es bündelt den ganzen Kurs. Zuerst werdet ihr selbst zum Versuchsobjekt der Verhaltensökonomik: Ihr spielt live das Ultimatum-Spiel um echte Süßigkeiten und stimmt in zwei Prospect-Blitz-Votes ab. Ihr erlebt am eigenen Verhalten, warum Kundschaft „irrational“ entscheidet, und dass genau das systematisch und vorhersagbar ist.
Danach führt ihr in der Capstone-Mini-Pitch-Runde alle Werkzeuge des Semesters an einem Produkt zusammen: An fünf Stationen entwickelt ihr in der Gruppe eine Idee von der ersten Problemfrage bis zum Launch (Kundenproblem → Prototyp-Skizze → Serviettenmodell → Red/Blue-Positionierung → Launch & Pricing) und pitcht sie am Ende in drei Minuten eurer Partnergruppe. Die nominierten Pitches gehen ins Finale, und die Klasse wählt die überzeugendste Geschichte, nicht die coolste Idee.
Zum Schluss geht es um euch und die Klausur: Wir gehen gemeinsam den Einseiter „So bereite ich mich vor“ durch – Klausurformat, Fahrplan, Lernmethoden. Das Tutorium ist wie immer freiwillig; wer nicht dabei sein kann, findet unten einen vollwertigen Solo-Pfad und den Klausur-Einseiter als Download.
- Ihr erlebt die Prospect Theory am eigenen Verhalten: Referenzpunkt, Verlustaversion, Certainty Effect sind nach diesem Tutorium keine Folienbegriffe mehr, sondern etwas, das ihr an euch selbst gesehen habt.
- Ihr seht im Ultimatum-Spiel, dass Fairness ökonomisch real ist: Menschen lehnen Geld ab, um Unfairness zu bestrafen. Die reine Standardtheorie sagt das nicht voraus.
- Ihr synthetisiert den ganzen Kurs an einem Produkt: von der Problemfrage über das Geschäftsmodell bis zur Preisstrategie – die fünf Stationen sind der Kurs in Kurzform.
- Ihr geht mit einem konkreten Klausur-Fahrplan nach Hause: Format, Lernmethoden und der direkte Weg zur Probeklausur auf der Website.
Ablauf (90 Minuten)
| Zeit | Phase | Was passiert |
|---|---|---|
| 0:00 | Ankommen | Begrüßung, feste Paare bilden, Süßigkeiten & Zettel bereitlegen |
| 0:05 | Klausur-Training | 5 Fragen im Klausur-Format zu Vorlesung 7, per Handzeichen aufgelöst |
| 0:20 | Teil A – Live-Experimente (20 min) | Ultimatum-Spiel mit Süßigkeiten (~12 min) + Prospect-Blitz-Vote (~8 min) |
| 0:40 | Teil B – Capstone-Mini-Pitch (30 min) | 5 Stationen (~15 min) → Paar-Pitches parallel (~7 min) → Finale + Klassen-Vote (~8 min) |
| 1:10 | Debrief = Klausur-Orientierung | Der Einseiter „So bereite ich mich vor“ wird durchgegangen |
| 1:25 | Wrap-up | Kursreflexion (Aufgabe A), Quiz, Mock-Exam-Hinweis, Abschied |
Die Kernaktivität
Teil A: Live-Experimente (20 min)
Ultimatum-Spiel mit Süßigkeiten (~12 min). Ihr spielt in festen Paaren. Eine Person ist Anbieter:in und teilt 10 Süßigkeiten zwischen sich und der anderen Person auf; die andere Person ist Empfänger:in und nimmt das Angebot an oder lehnt es ab. Der Haken: Bei Ablehnung bekommen beide nichts. Es gibt eine Runde per Zettel: Das Angebot wird verdeckt geschrieben (der Raum sieht es nicht), und entschieden wird still, ohne Diskussion. Danach tragen wir alle Angebote in eine Ergebnistafel ein und schauen, was passiert ist.
Die reine Spieltheorie sagt: Ein:e rationale:r Empfänger:in nimmt jedes Angebot über null an: ein Stück ist besser als keins. Schaut, ob sich der Raum so verhält. (Spoiler: meistens nicht, und warum nicht, ist die Lektion.)
Prospect-Blitz-Vote (~8 min). Zwei kurze Abstimmungen per Handzeichen. Szenario 1 (Gewinn): sichere 50 € – oder eine 50-%-Chance auf 100 € (sonst nichts)? Szenario 2 (Verlust): ein sicherer Verlust von 50 € – oder eine 50-%-Chance, 100 € zu verlieren (sonst nichts)? Beide Lotterien haben denselben Erwartungswert wie die sichere Option. Wir stimmen erst über Szenario 1 ab, dann über Szenario 2 und vergleichen, wie eure Risikofreude zwischen Gewinn und Verlust umschlägt.
Teil B: Capstone-Mini-Pitch (30 min)
In der Gruppe (4–5 Personen) entwickelt ihr eine Produktidee entlang von fünf Stationen, jede Station ist eine Etappe des Kurses:
- Kundenproblem: Wessen Problem, in welcher Situation? (Outcome, keine Lösung.)
- Prototyp-Skizze: die einfachste Form, die das Problem angeht. Eine Skizze reicht.
- Serviettenmodell: Wer zahlt wem wofür? Das Geschäftsmodell auf eine Serviette.
- Red/Blue-Positionierung: kämpft ihr im überfüllten Red Ocean oder in einer Blue-Ocean-Nische? Woran macht ihr das fest?
- Launch & Pricing: Skimming oder Penetration, und warum passt das zu eurem Produkt?
Jede Station hat eine Stationen-Karte mit Leitfrage und einem Qualitätskriterium. Für die Stationen-Arbeit habt ihr ~15 Minuten. Dann wird gepitcht, in zwei Runden:
- Paar-Pitches (~7 min, parallel im ganzen Raum): Jede Gruppe pitcht ihrer Partnergruppe ihre Geschichte über alle fünf Stationen, 3 Minuten je Richtung. Danach entscheidet die Partnergruppe mit einem Satz Begründung, ob der Pitch ins Finale soll.
- Finale (~8 min): Die 2 nominierten Gruppen (bei mehr als 8 Gruppen maximal 3) pitchen noch einmal 3 Minuten vor allen. Die Klasse wählt per Handzeichen die überzeugendste Geschichte über alle fünf Stationen, nicht die spektakulärste Idee, sondern die, die von Problem bis Launch schlüssig zusammenhängt.
Debrief: Klausur-Orientierung
Statt eines klassischen Debriefs richten wir den Blick nach vorn und gehen gemeinsam den Einseiter „So bereite ich mich vor“ durch: das Klausurformat (45 Fragen, 90 Minuten, keine Negativpunkte), den Vorbereitungs-Fahrplan und drei Lernmethoden, die nachweislich wirken. Bringt eure Fragen mit: das ist der Moment, sie zu stellen.
Materialien zum Download
Diese Unterlagen bekommt ihr im Tutorium ausgedruckt. Zum Nachschauen hier als PDF:
- Ultimatum-Protokoll & Ergebnistafel (PDF): die Spielregeln, die Angebots-Zettel und die Ergebnistafel-Vorlage
- Prospect-Szenario-Karten (PDF): die beiden Vorlese-Szenarien mit Strichlisten-Feld (feste Reihenfolge: erst Gewinn, dann Verlust)
- Stationen-Karten (PDF): die fünf Stationen mit Leitfrage und Qualitätskriterium
- Klausur-Einseiter „So bereite ich mich vor“ (PDF): Format, Fahrplan und Lernmethoden auf einer Seite
Jede Seite hat oben rechts einen PDF-Link.
Nach dem Tutorium
Aufgabe A: Kursreflexion
Zum Abschluss des Kurses eine kurze Reflexion (3–5 Sätze):
Welche Erkenntnis aus dem Kurs hat eure Sicht auf Unternehmertum am meisten verändert, und warum?
Es gibt keine richtige Antwort. Es geht darum, dass ihr eine Einsicht benennt und begründet, warum gerade sie bei euch hängen geblieben ist: ein Konzept, ein Fall, ein Aha-Moment aus Vorlesung, Tutorium oder Quiz.
Öffnet den Chat in der Seitenleiste und startet mit genau dem Wortlaut „Feedback zu Tutorium 7“. Fügt dann eure Reflexion ein. Ihr bekommt sokratische Rückfragen, kein „richtig oder falsch“, sondern Fragen, die eure Begründung schärfen – und keine Musterlösung. Das Feedback ersetzt nicht das Tutorium und nicht eure eigene Arbeit; es ist ein guter Startpunkt für die Klausur-Wiederholung.
Aufgabe B: Selbsttest & Mock-Exam
Prüft euer Verständnis von Vorlesung 7 im begleitenden Quiz. Rein formativ, nichts wird gespeichert oder benotet:
Die öffentliche Probeklausur (im echten Format: 45 Fragen, 90 Minuten) ist die beste Altklausur, die ihr bekommt: gleicher Aufbau, gleiche Fragetypen. Dazu bleiben die wöchentlichen Quizzes und die Tutoriums-Warm-ups eure Übungsfragen.
Aufgabe A geht vollständig allein: Beantwortet die Reflexionsfrage schriftlich (3–5 Sätze). Für die Klausur ladet euch den Klausur-Einseiter oben herunter. Er enthält Format, Fahrplan und die drei Lernmethoden, und er ersetzt die Klausur-Orientierung aus dem Debrief eins zu eins. Die Live-Experimente lassen sich allein nicht sinnvoll nachstellen (dafür braucht es die Gruppe). Lest stattdessen in den Folien zu Vorlesung 7 die Abschnitte zu Prospect Theory und Ultimatum noch einmal nach.