Das ist eine vollständige Probeklausur im echten Format: gleiche Länge, gleiche Aufgabentypen, eigene Aufgaben. So könnt ihr Format, Aufgabentypen und Zeitdruck üben, ohne dass euch etwas vorweggenommen wird. Die Aufgaben sprechen euch mit „Sie“ an, weil die echte Klausur genau so formuliert ist.
Insgesamt sind es 45 Aufgaben mit 90 Punkten. Am meisten bringt sie euch, wenn ihr sie unter realistischen Bedingungen durchspielt: 90 Minuten am Stück, ohne Hilfsmittel. Einen Taschenrechner braucht ihr nicht, denn alle Aufgaben sind so angelegt, dass ihr im Kopf rechnen könnt. Wie viele Punkte ein Aufgabentyp bringt und wie K-Prim und Multiple Response bewertet werden, steht in den Klausurinfos.
TippAls PDF im Klausur-Layout
Wollt ihr wirklich wie in der Klausur auf Papier arbeiten, nutzt die Druckfassung:
Die Aufgaben sprechen euch mit „Sie“ an, weil das der Wortlaut der echten Klausur ist.
So funktioniert die interaktive Fassung unten: Wählt eure Antwort und prüft sie. Nach dem Prüfen erscheint zu jeder Aufgabe eine kurze Erklärung. Eine falsche Antwort löst eine 10-Sekunden-Sperre aus, danach könnt ihr es erneut versuchen. Multiple-Response-Aufgaben werden hier nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip geprüft; in der echten Klausur gibt es dafür Teilpunkte (siehe Klausurinfos). Erschreckt also nicht, wenn ihr hier weniger Punkte holt als in der echten Klausur: Eine fast richtige Mehrfachauswahl zählt hier gar nicht, dort fast voll. Bestehensgrenze und Notenschlüssel richten sich nach der für euren Studiengang geltenden Prüfungsordnung; maßgeblich sind die offiziellen Angaben dort bzw. in STiNE (siehe Klausurinfos).
Aufgabe 1 (1 Punkt): In einem Gründungspodcast fällt der Satz, 90 Prozent aller neuen Produkte scheiterten. Wie ist diese Zahl einzuordnen?
Die 90 Prozent gehen auf eine unbelegte Behauptung der Fachpresse
zurück; über 19 Studien hinweg liegen die Scheiterraten meist zwischen
30 und 49 Prozent. Auch die „43 Prozent fehlender Product-Market-Fit“
stammen aus selbst ausgewählten Nachrufen (CB Insights, 431 seit 2023
geschlossene Startups) und sind keine repräsentative Statistik. Vgl.
Vorlesung 1, Teil 1.
Aufgabe 2 (2 Punkte): Das Team von Boßelweg wertet seine Tests aus und überlegt, wie es weitergeht. Welcher der folgenden Schritte ist am ehesten ein Pivot im Sinne der Vorlesung?
Ein Pivot ist ein aus Erkenntnissen begründeter Kurswechsel, der den
Kern der Idee behält. Hier wird das nachweislich stärker genutzte
Feature zum Kernprodukt. Bloßes Optimieren ist kein Kurswechsel,
Aufgeben kein Pivot, und eine unverbundene Ausweitung ist nicht aus dem
Gelernten begründet. Vgl. Vorlesung 1, Teil 2.
Aufgabe 3 (2 Punkte): Reetgast will vor dem Bau prüfen, ob Gastronomiebetriebe für eine automatische Schichtplanung zahlen würden. Welches Vorgehen ist als MVP am besten geeignet?
Ein MVP ist das kleinste Experiment, das genau die offene Annahme
prüft, hier die Zahlungsbereitschaft und nicht den Funktionsumfang. Vgl.
Vorlesung 1, Teil 2.
Aufgabe 4 (2 Punkte): Welche Aussagen beschreiben Customer Development im Unterschied zum klassischen New Product Development? (Mehrfachauswahl)
Customer Development stellt Annahmen früh auf den Prüfstand und lässt
die Richtung offen, solange gelernt wird. Es ist kein Verzicht auf
Planung und keine Preisfrage. Vgl. Vorlesung 1, Teil 2.
Aufgabe 5 (3 Punkte): Möwenkoog wuchs mit frischem Wagniskapital in kurzer Zeit auf viele Städte, verlor aber je Bestellung weiter Geld und brach dann zusammen. Bewerten Sie jede Aussage zur Einordnung des Falls als richtig oder falsch.
Ein Rückzug auf wenige Städte und eine tragfähige Kalkulation je
Bestellung wären folgerichtig.
Ab einer gewissen Zahl an Städten trägt sich das Geschäft von selbst,
weil die Fixkosten je Bestellung sinken.
Das Muster entspricht der Speed Trap: skaliert wurde, bevor die Rechnung
je Bestellung tragfähig war.
Weil vor dem Marktstart keine Bedarfsprüfung stattfand, liegt in erster
Linie ein False Start vor.
Der negative Deckungsbeitrag je Bestellung ist das Kernproblem: Mehr
Städte vergrößern den Verlust (Speed Trap), statt ihn über
Fixkostenverteilung aufzufangen; der Bedarf war belegt, es ist kein
False Start. Vgl. Vorlesung 1, Teil 1.
Aufgabe 6 (1 Punkt): Ein Team hat in Interviews eine Vermutung über den Kundenjob entwickelt und will wissen, wie groß die Nachfrage wirklich ist. Welches Vorgehen passt am besten?
Qualitative Methoden liefern das Warum und die Hypothese,
quantitative die Größenordnung. Sinnvoll ist meist erst verstehen, dann
messen. Vgl. Vorlesung 2, Teil 2.
Aufgabe 7 (1 Punkt): In einem Pitch zitiert ein Team Henry Ford mit dem Satz, die Leute hätten sich schnellere Pferde gewünscht. Wie ist mit diesem Zitat umzugehen?
Für den Satz gibt es keinen Beleg, weder in Fords Schriften noch in
der Zitatsammlung des Henry-Ford-Museums; er ist apokryph. Die Einsicht
trägt trotzdem: Kundschaft beschreibt zuverlässig ihr Problem, selten
die beste Lösung. Vgl. Vorlesung 2, Teil 1.
Aufgabe 8 (2 Punkte): Ebbhafen bewertet ein Kundenbedürfnis auf einer Skala von 1 bis 10 mit Wichtigkeit 9 und Zufriedenheit 1. Wie hoch ist der Opportunity-Score, wenn er sich als Wichtigkeit + max(0, Wichtigkeit − Zufriedenheit) berechnet?
9 + max(0, 9 − 1) = 9 + 8 = 17. Die Klammer verhindert einen Abzug,
falls die Zufriedenheit die Wichtigkeit überstiege. Vgl. Vorlesung 2,
Teil 2.
Aufgabe 9 (2 Punkte): Welche Aussagen zum Verhältnis von Kundenaussagen zu belastbaren Belegen treffen zu? (Mehrfachauswahl)
Aussagen liefern Hypothesen; Belege kommen aus beobachtetem
Verhalten. Absicht ist nicht Verhalten, Interesse nicht Bindung. Vgl.
Vorlesung 2, Teil 1 und 2.
Aufgabe 10 (3 Punkte): Nesserland verkauft eine Lern-App und hört im Interview, Eltern wollten abends Ruhe, während ihr Kind selbstständig übt. Das Team plant daraufhin, vor allem neue Fächer und Abzeichen hinzuzufügen. Bewerten Sie jede Aussage als richtig oder falsch.
Bevor viel entwickelt wird, sollte geprüft werden, ob die App den
Entlastungs-Job tatsächlich erfüllt.
Entscheidend ist die abendliche Entlastung der Eltern; Angebot und
Positionierung sollten sich daran ausrichten.
Mehr Fächer und Abzeichen sind die naheliegende Antwort auf den
genannten Job, weil sie das Produkt vollständiger machen.
Der Job hat neben der funktionalen auch eine emotionale Seite, hier die
Erleichterung der Eltern.
Der Job (abendliche Entlastung) definiert die Richtung; mehr
Funktionen tragen nichts zu ihm bei, sondern lenken davon ab. Vgl.
Vorlesung 2, Teil 1.
Aufgabe 11 (1 Punkt): Tidenwehr skizziert eine neue Bedienoberfläche zunächst nur als Papiermodell mit aufgeklebten Zetteln. Wofür eignet sich ein solcher Lo-Fi-Prototyp am besten?
Ein Lo-Fi-Prototyp prüft eine Annahme billig; er muss nicht
funktionieren, sondern eine offene Frage beantworten. Vgl. Vorlesung 3,
Teil 1.
Aufgabe 12 (2 Punkte): Watthusen führt den Markt für teure Profi-Werkzeuge an und verbessert sein Spitzenmodell laufend für die anspruchsvollste Kundschaft. Ein neuer Anbieter startet mit einem einfachen, billigen Gerät im unteren Marktbereich. Welche Gefahr beschreibt das Innovator’s Dilemma hier am treffendsten?
Etablierte bauen ihr Spitzenangebot für die besten Kunden aus und
übersehen den Angreifer, der unten einsteigt und sich hocharbeitet. Vgl.
Vorlesung 3, Teil 2.
Aufgabe 13 (2 Punkte): Welche Aussagen zu Design als strategischer Wahl treffen zu? (Mehrfachauswahl)
Design ist eine strategische Wahl: Reduktion (Rams), die
Weichenstellung offen gegen geschlossen und das Key-Person-Risiko der
Governance. Vgl. Vorlesung 3, Teil 2.
Aufgabe 14 (2 Punkte): Ein Team plant seinen ersten Design-Thinking-Durchlauf und diskutiert das Vorgehen. Bewerten Sie jede Aussage zum Ablauf und Charakter der Methode als richtig oder falsch.
Was der Test zeigt, schickt das Team in frühere Phasen zurück: Das
Vorgehen läuft im Kreis.
Statt eines starren Rezepts umfasst der Ansatz mehrere Praktiken, die
man je nach Fragestellung auswählt.
Gleich zu Beginn geht es darum, das endgültige Produkt zu bauen, statt
erst das Problem zu verstehen.
Hat man die Phasen einmal der Reihe nach abgearbeitet, ist die Arbeit
erledigt und beginnt nicht von vorn.
Design Thinking ist iterativ und ein anpassbares Bündel von
Praktiken; die erste Phase dient dem Verstehen, nicht dem Bauen. Vgl.
Vorlesung 3, Teil 1.
Aufgabe 15 (3 Punkte): Kajedeich bringt eine besonders teure, technisch beeindruckende Neuerung für seine anspruchsvollste Kundschaft auf den Markt und nennt sie öffentlich disruptiv. Bewerten Sie jede Aussage zu Christensens Theorie als richtig oder falsch.
Weil das Muster empirisch breit bestätigt ist, greift es auch in diesem
Fall.
Schon jede auffällige, technisch anspruchsvolle Neuerung gilt damit als
disruptiv.
Die Theorie sagt zuverlässig voraus, welches etablierte Unternehmen als
Nächstes verdrängt wird.
Im engen Sinn der Theorie ist das keine Disruption: Disruption beginnt
unten, nicht oben.
Disruption meint ein enges Muster (unten einsteigen, sich nach oben
arbeiten) und ist als Betrachtungsweise, nicht als Vorhersagegesetz zu
verstehen; die empirische Kritik zeigt, dass nur wenige Fälle alle
Kriterien erfüllen. Vgl. Vorlesung 3, Teil 2.
Aufgabe 16 (2 Punkte): Prielmund hat Fixkosten von 21.000 Euro im Monat. Der Preis je Stück liegt bei 35 Euro, die variablen Kosten bei 21 Euro je Stück. Ab welcher verkauften Stückzahl trägt sich Prielmund gerade (Break-even)?
Aufgabe 17 (2 Punkte): Fördegrund verfügt über 560.000 Euro und verbrennt davon 35.000 Euro pro Monat. Für wie viele Monate reicht das Geld (Runway), wenn alles gleich bleibt?
Aufgabe 18 (2 Punkte): Welche Aussagen zu Erlösmodellen und Kostenstruktur treffen zu? (Mehrfachauswahl)
Abo bindet und plant, Werbung monetarisiert Aufmerksamkeit Dritter,
Dienstleistung skaliert schwach; variable Kosten steigen mit der Menge
und ein Stückverkauf bindet nicht automatisch. Vgl. Vorlesung 4, Teil
2.
Aufgabe 19 (2 Punkte): Salzwiese fertigt Bürsten in einer gemieteten Werkstatt. Bewerten Sie jede Aussage zu fixen und variablen Kosten als richtig oder falsch.
Die Miete der Werkstatt fällt unabhängig von der Menge an und zählt zu
den Fixkosten.
Mit wachsender Menge sinken die Fixkosten je Stück und die variablen
Kosten je Stück in gleichem Maß.
Je mehr Stück gefertigt werden, desto kleiner wird der Fixkostenanteil
je Stück (Skaleneffekt).
Variable Kosten bleiben in der Summe gleich, ganz gleich wie viele Stück
gefertigt werden.
Fixkosten fallen mengenunabhängig an, variable Kosten steigen mit der
Menge. Je Stück sinken deshalb nur die Fixkosten (Skaleneffekt); die
variablen Kosten je Stück bleiben gleich. Vgl. Vorlesung 4, Teil 2.
Aufgabe 20 (3 Punkte): Deichhusen verkauft ein Produkt zu 12 Euro; die variablen Kosten liegen bei 15 Euro je Stück, die monatlichen Fixkosten sind hoch, und bislang zahlt nur eine kleine Zahl an Kundinnen. Bewerten Sie jede Aussage zur Tragfähigkeit des Modells als richtig oder falsch.
Solange die Fixkosten nicht von genügend zahlender Kundschaft getragen
werden, ist das Modell nicht tragfähig.
Mit wachsender Menge sinken die Fixkosten je Stück so weit, dass aus dem
Minus je Stück irgendwann ein Plus wird.
Der Napkin-Test fällt hier negativ aus, weil der Preis unter den
variablen Kosten je Stück liegt.
Da bereits Kundschaft zahlt, ist die Tragfähigkeit des Modells im
Wesentlichen belegt.
Bei Preis unter variablen Kosten ist der Deckungsbeitrag je Stück
negativ: Mehr Menge vergrößert den Verlust; erst muss die Stückrechnung
stimmen, dann tragen genug Kunden die Fixkosten. Vgl. Vorlesung 4, Teil
2.
Aufgabe 21 (1 Punkt): Warftlicht gewinnt mit seinem Angebot Menschen als Kundschaft, die eine solche Leistung vorher noch nie genutzt haben. Wie ist dieser Zug am besten einzuordnen?
Ein Blue-Ocean-Zug schafft neue Nachfrage außerhalb des umkämpften
Marktes, statt vorhandene Nachfrage über den Preis umzuverteilen. Vgl.
Vorlesung 5, Teil 1.
Aufgabe 22 (1 Punkt): Eine Kaffeemarke ergänzt ihr Sortiment um eine weitere Bechergröße im selben Regal. Warum schafft eine solche Line Extension selten einen neuen Markt?
Eine Line Extension ist eine Produktvariante im bestehenden Markt;
sie verteilt vorhandene Nachfrage um, statt neue Nachfrage zu schaffen.
Vgl. Vorlesung 5, Teil 1.
Aufgabe 23 (2 Punkte): Loggerfahrt investiert früh und sichtbar in eine eigene Logistik und nimmt dafür über Jahre bewusst Verluste in Kauf. Warum gilt das als glaubwürdiges strategisches Commitment?
Glaubwürdig ist ein Commitment, wenn es kostspielig, schwer umkehrbar
und sichtbar ist. Dann signalisiert es Durchhaltevermögen. Vgl.
Vorlesung 5, Teil 2.
Aufgabe 24 (2 Punkte): Welche Aussagen zum First-Mover-Vorteil und zu Fast Followern treffen zu? (Mehrfachauswahl)
Viele Pioniere scheiterten (Golder und Tellis); der Bestand des
Vorsprungs hängt vom Tempo ab (Suarez und Lanzolla); Validierung ist
nicht Marktgewinn. Vgl. Vorlesung 5, Teil 2.
Aufgabe 25 (3 Punkte): Sturmkoog zeichnet für seine Branche einen Strategy Canvas und leitet daraus Schlüsse ab. Bewerten Sie jede Aussage als richtig oder falsch.
Der Canvas zeigt, wie viel die Wettbewerber in die Faktoren stecken und
wo die eigene Kurve abweicht.
Ein einmal erreichter Blue Ocean bleibt dauerhaft bestehen und muss
nicht gegen Nachahmung verteidigt werden.
Der Strategy Canvas sagt die künftigen Marktanteile der einzelnen
Anbieter zuverlässig voraus.
Der Strategy Canvas ermittelt zugleich die Gewinnschwelle eines
geplanten Produkts.
Der Strategy Canvas macht die Investitionen in Wettbewerbsfaktoren
und die eigene Abweichung sichtbar; er ist weder Kostenrechnung noch
Prognose, und ein Blue Ocean ist kein Dauerzustand. Vgl. Vorlesung 5,
Teil 1.
Aufgabe 26 (1 Punkt): Dünenklang vermittelt zwischen zwei Marktseiten und ist dabei nur selten Eigentümerin der gehandelten Ware; je Vermittlung behält es eine Provision. Wie ist dieses Geschäft am besten einzuordnen?
Eine Plattform vermittelt zwischen Seiten und besitzt die Ware oft
nicht; eine Pipeline veredelt linear und verkauft eigene Ware. Vgl.
Vorlesung 6, Teil 2.
Aufgabe 27 (1 Punkt): Bei einer Produktdemo gibt der KI-Assistent von Feuerschiff eine Förderzusage aus, die frei erfunden ist. Wie ist dieses Verhalten fachlich zu benennen?
KI-Sprachmodelle können flüssig klingenden, sachlich falschen Text
erzeugen (Halluzination); solche Ausgaben müssen vor der Nutzung geprüft
werden. Vgl. Vorlesung 6, Teil 3.
Aufgabe 28 (1 Punkt): Der Chatbot von Bojenfeld sagt einem Kunden eine Kondition zu, die das Startup so nie anbietet. Der Kunde beruft sich darauf. Wie ist die Lage im Licht des Air-Canada-Falls zu bewerten?
Wie im Fall Moffatt gegen Air Canada: Die Auskunft des Chatbots ist
Teil des eigenen Angebots, das Unternehmen steht dafür ein. Vgl.
Vorlesung 6, Teil 3.
Aufgabe 29 (2 Punkte): Auf dem Marktplatz von Nordbake gilt: Je mehr Anbieter mitmachen, desto attraktiver wird er für Käuferinnen, und mehr Käuferinnen ziehen wiederum Anbieter an. Welcher Netzwerkeffekt liegt hier vor?
Wenn eine Marktseite die andere attraktiver macht (mehr Anbieter →
mehr Käufer → mehr Anbieter), ist das der indirekte Netzwerkeffekt. Vgl.
Vorlesung 6, Teil 2.
Aufgabe 30 (2 Punkte): Welche Aussagen zu den drei Ebenen digitaler Transformation treffen zu? (Mehrfachauswahl)
Ebene 1 digitalisiert Prozesse, Ebene 2 verändert die Erlöslogik,
Ebene 3 die Branchenstruktur; die Gewinner wechseln oft von Stufe zu
Stufe. Vgl. Vorlesung 6, Teil 1.
Aufgabe 31 (2 Punkte): Der Bekleidungshersteller Deichgraf steuert seine Kollektion über eine kurze, eng verzahnte Lieferkette. Welche Aussagen zu Lieferketten und Quick Response treffen zu? (Mehrfachauswahl)
Quick Response über eine kurze, integrierte Lieferkette senkt
Vorhersagerisiko und Überbestände und kann ein Vorteil sein; das Tempo
hat aber eine ökologische Kehrseite (SDG-12). Vgl. Vorlesung 6, Teil
3.
Aufgabe 32 (3 Punkte): Halligsand baut eine Vermittlungsplattform auf und muss mehrere Marktseiten zugleich gewinnen. Bewerten Sie jede Aussage als richtig oder falsch.
Ist eine Marktseite erst gewonnen, trägt sich das Geschäftsmodell von
selbst und braucht keine weiteren Schritte.
Halligsand kann das Henne-Ei knacken, indem es eine Marktseite
bezuschusst und so die andere heranholt.
Selbst wenn eine Seite gut gefüllt ist, ist damit die Frage der Erlöse
noch nicht beantwortet.
Winner-take-most ist eine Neigung, kein Gesetz: Bei Multihoming bleibt
der Markt offener.
Eine Seite subventionieren löst das Henne-Ei; Winner-take-most ist
nur eine Tendenz; eine volle Seite ist noch kein gelöstes Erlösmodell.
Vgl. Vorlesung 6, Teil 2.
Aufgabe 33 (1 Punkt): Sandhaken kündigt einen Rabatt an, nimmt ihn dann aber zurück; am Ende ist der Preis genauso hoch wie zuvor, trotzdem sind viele Kundinnen verärgert. Womit erklärt die Prospect Theory das am besten?
Die Prospect Theory sagt: Ergebnisse werden relativ zu einem
Referenzpunkt bewertet; das Ausbleiben eines erwarteten Vorteils zählt
als Verlust. Vgl. Vorlesung 7, Teil 1.
Aufgabe 34 (1 Punkt): Seekante bringt ein neues Gerät mit einem hohen Startpreis auf den Markt, um früh Marge abzuschöpfen, und senkt den Preis danach schrittweise. Welche Preisstrategie ist das?
Skimming setzt hoch an, schöpft die frühe Zahlungsbereitschaft ab und
senkt den Preis danach; Penetration macht das Gegenteil. Vgl. Vorlesung
7, Teil 2.
Aufgabe 35 (1 Punkt): Priellotse wertet nach dem Verkaufsstart nur noch die Absatzzahlen aus und betrachtet die Beziehung zur Kundschaft mit dem Kauf als beendet. Was übersieht das Team damit?
Die Entscheidungsreise verläuft als Schleife: Das Erlebnis nach dem
Kauf bestimmt mit, ob die Kundschaft beim nächsten Bedarf überhaupt
wieder erwägt. Die Markteinführung ist der Anfang der Beziehung, nicht
ihr Höhepunkt, und digitale Kanäle machen jede Station messbar. Vgl.
Vorlesung 7, Teil 2.
Aufgabe 36 (2 Punkte): Welche Aussagen zur Nudging-Debatte und zur Grenze zum Dark Pattern treffen zu? (Mehrfachauswahl)
Die Grenze verläuft entlang der eigenen Entscheidung; die
Effektstärken sind nach Bias-Korrektur kleiner, aber nicht null. Vgl.
Vorlesung 7, Teil 2.
Aufgabe 37 (3 Punkte): Ein Land erwägt, bei der Organspende von einer Zustimmungs- auf eine Widerspruchslösung umzustellen. Bewerten Sie jede Aussage zum Default-Effekt als richtig oder falsch.
Unter der Widerspruchslösung fällt die effektive Zustimmung meist klar
höher aus.
Ob Opt-in oder Opt-out gilt, ist eine rein technische Frage ohne
ethische oder politische Dimension.
Unter der Zustimmungslösung liegt die Rate höher, da die Menschen sich
dort bewusster festlegen.
Die Voreinstellung wirkt, weil viele bei der gesetzten Option bleiben.
Opt-out führt meist zu deutlich höherer effektiver Zustimmung, weil
die Voreinstellung als Bezugspunkt bestehen bleibt; die Wahl der
Voreinstellung ist zugleich eine ethisch-politische Frage. Vgl.
Vorlesung 7, Teil 2.
Aufgabe 38 (2 Punkte): Reihergat startet mit einem einfachen, günstigen digitalen Angebot im unteren Bereich eines etablierten Marktes und wächst nach oben. Bewerten Sie jede Aussage als richtig oder falsch.
Schon jede digitale Neuerung zählt nach der Theorie als Disruption,
sofern sie günstiger als das Bestehende ist.
Wer den Markt heute anführt, bleibt auch nach dem digitalen Umbruch der
Branche meist führend.
Ein einfacher, billiger Einstieg von unten, der sich hocharbeitet,
entspricht dem engen Disruptionsmuster.
Ändert sich dabei die Erlöslogik der Branche (etwa vom Kauf zum Abo),
ist das eine Transformation auf Ebene 2.
Synthese aus Vorlesung 3 (enges Disruptionsmuster) und Vorlesung 6
(Ebenen der Transformation; Gewinner wechseln). Nicht jede Neuerung ist
Disruption. Vgl. Vorlesungen 3 und 6.
Aufgabe 39 (2 Punkte): Buhnenkopf startet eine Plattform mit starken Netzwerkeffekten. Welche Aussagen erklären, warum ein niedriger Einstiegspreis hier sinnvoll sein kann? (Mehrfachauswahl)
Synthese aus Vorlesung 7 (Penetration) und Vorlesung 6
(Netzwerkeffekte, Henne-Ei): früh Menge holen, damit sich die Seiten
hochziehen. Vgl. Vorlesungen 6 und 7.
Aufgabe 40 (2 Punkte): Sielkoog hat den Kundenjob verstanden und will ihn in ein Geschäftsmodell übersetzen. Welche Aussagen treffen zu? (Mehrfachauswahl)
Synthese aus Vorlesung 2 (Job) und Vorlesung 4 (Value Proposition,
kundenzentriertes Canvas, Tragfähigkeit): das Angebot am Job ausrichten
und trotzdem die Zahlungsbereitschaft prüfen. Vgl. Vorlesungen 2 und
4.
Aufgabe 41 (3 Punkte): Klootstock holt schmutzige Wäsche im Abo ab und liefert sie gewaschen zurück. Je Abo-Monat nimmt das Startup 59 Euro ein; Abholung, Reinigung und Rücklieferung kosten zusammen 64 Euro je Abo-Monat. Mit frischem Kapital eröffnet Klootstock in schneller Folge Standorte in weiteren Städten. In Interviews sagen viele Kundinnen, sie buchten vor allem, um die lästige Wäschelogistik im Alltag loszuwerden. Bewerten Sie jede Aussage zum weiteren Vorgehen als richtig oder falsch.
Die Value Proposition sollte auf den Entlastungs-Job (Wäschelogistik
abnehmen) zugeschnitten werden, weniger auf die Reinigungsqualität.
Der Fehlbetrag je Abo-Monat ist als bewusste Penetrationsstrategie
unbedenklich, denn nach dem Wachstum lässt sich der Preis bei der
Bestandskundschaft anheben.
Solange ein Abo-Monat mehr kostet, als er einbringt, wächst mit jedem
neuen Standort auch der Gesamtverlust. Es droht das Muster der Speed
Trap.
Vor dem nächsten Standort sollten Preis oder variable Kosten je
Abo-Monat so angepasst werden, dass jedes Abo positiv beiträgt.
Synthese aus Vorlesung 4 (Preis unter variablen Kosten: negative
Stückrechnung), Vorlesung 1 (Speed Trap: erst reparieren, dann
skalieren) und Vorlesung 2 (Job to be Done als Anker der Value
Proposition). Penetration setzt einen tragfähigen Pfad der Stückrechnung
voraus; spätere Preiserhöhungen bei Bestandskundschaft sind kein
Selbstläufer. Vgl. Vorlesungen 1, 2 und 4.
HinweisFallvignette
Marschlicht verkauft eine Terminverwaltung im Abo an Zahnarztpraxen, für 40 Euro je Nutzerplatz und Monat. Die variablen Kosten je Nutzerplatz (Hosting, Support, Zahlungsgebühren) liegen bei 16 Euro im Monat, die Fixkosten bei 120.000 Euro im Monat. Ein deutlich größerer Anbieter deckt den Markt breit ab; Marschlicht überlegt, sich auf Zahnarztpraxen mit mehreren Standorten zu spezialisieren, für die es eine besonders passende Funktion bietet. Beantworten Sie die folgenden Fragen zu diesem Fall.
Aufgabe 42 (3 Punkte): Wie hoch ist der Deckungsbeitrag je Nutzerplatz pro Monat bei Marschlicht, und was folgt daraus?
Deckungsbeitrag je Einheit = Preis − variable Kosten = 40 − 16 = 24
Euro; er trägt zur Deckung der Fixkosten bei. Vgl. Vorlesung 4, Teil
2.
Aufgabe 43 (3 Punkte): Wie sollte Marschlicht gegenüber dem großen, breit aufgestellten Anbieter vorgehen?
Synthese aus Vorlesung 5 (Nischenstrategie): ein schmales Feld wählen
und dort spürbar besser sein, statt den Giganten frontal anzugreifen.
Vgl. Vorlesung 5, Teil 2.
HinweisFallvignette
Ankergrund baut eine Vermittlungsplattform, die Hobbyköchinnen mit Menschen in der Nachbarschaft zusammenbringt, die eine warme Mahlzeit kaufen möchten. Zum Start ist keine der beiden Seiten vorhanden: Ohne Köchinnen kommen keine Essensgäste, ohne Gäste kochen keine Köchinnen. Ankergrund erwägt, in den ersten Monaten die Gebühr für eine Seite zu erlassen und den Einstiegspreis für die Gäste bewusst niedrig zu halten. Beantworten Sie die folgenden Fragen zu diesem Fall.
Aufgabe 44 (3 Punkte): Wie kann Ankergrund das Henne-Ei-Problem beim Start am ehesten lösen?
Synthese aus Vorlesung 6 (Henne-Ei): eine Seite gezielt
subventionieren, um die andere anzuziehen und den Markt anzuzünden. Vgl.
Vorlesung 6, Teil 2.
Aufgabe 45 (3 Punkte): Wie ist der bewusst niedrige Einstiegspreis für die Gäste bei Ankergrund strategisch einzuordnen?
Synthese aus Vorlesung 7 (Penetration) und Vorlesung 6
(Netzwerkeffekte): früh Menge holen, damit sich die Plattformseiten
hochziehen. Vgl. Vorlesungen 6 und 7.
Geschafft! Ihr habt eine komplette Klausur im echten Format
durchgearbeitet. Prüft in den Klausurinfos noch einmal die
Bewertung der einzelnen Aufgabentypen, und schaut bei den Aufgaben, die
noch gehakt haben, in die passende Vorlesung.